Verpflichtungen des Vereins sicherstellen, nicht Geld anhäufen

Die «Neue Zürcher Zeitung» NZZ behauptet in einem Artikel, der Verein EXIT verfüge über zu viel Vermögen. Weil die NZZ die tatsächlichen finanziellen Verhältnisse aus Vereinssicht erst im Juni abdrucken wollte, klärt EXIT an dieser Stelle auf.

EXIT als nicht gewinnorientierter Verein gewährt seit seiner Gründung vor 37 Jahren volle Transparenz. So veröffentlicht die Selbstbestimmungsorganisation jedes Jahr Bilanz, detaillierte Erfolgsrechnung sowie Anhang im Mitgliedermagazin und auf der Website.

Daraus geht hervor: Den Aktiven von 29 Millionen Franken stehen Passiven von 20 Millionen gegenüber. Vom Vereinsvermögen von rund 9 Millionen Franken sind 5 Millionen gebunden in Fonds zur Unterstützung finanzschwacher Sterbewilliger, der Palliativpflege, der Weiterbildung der Freitodbegleiterinnen und ähnlichem. Weitere 3 Millionen sind auch gemäss Revisionsstelle als zwingende Schwankungsreserve für die Vereinsanlagen zurückgestellt. Das frei verfügbare Vereinsvermögen beträgt rund eine Million Franken – oder 8 Franken pro Mitglied.

Die NZZ kritisiert die auch gemäss Obligationenrecht und externer Revisionsstelle vorgeschriebenen Rückstellungen für die Lebenszeit-Mitglieder als zu hoch und schlägt gar einen Abbau der Rückstellungen vor. Diese betragen rund 850 Franken pro Lebenszeit-Mitglied. Damit müssen die Vereinsleistungen wie die Ausgabe, Kontrolle, Hinterlegung und Durchsetzung der Patientenverfügung sowie Beratung, mögliche Freitodbegleitung, Mitgliedermagazin, etc. während bis zu über 50 Jahren finanziert werden. Experten erachten diese Rückstellungen im Gegensatz zur NZZ eher noch als etwas zu tief ein.

Die NZZ schreibt zudem, dass die EXIT-Freitodbegleitpersonen, „die bisher ehrenamtlich tätig waren, seit kurzem nicht mehr gratis arbeiten müssen.“ Klarzustellen ist: In den vergangenen Jahren sind die Abklärungen für viele Freitodbegleitungen komplexer geworden, und für die einzelnen Begleitpersonen bedeutet das mehr Aufwand. Dieser übersteigt schon längere Zeit die rein ehrenamtliche Tätigkeit. Die Begleitpersonen gehen ihrem Engagement weiterhin freiwillig nach, stehen aber in einem Auftragsverhältnis mit EXIT und  erhalten eine neu angepasste Pauschalentschädigung pro Fall. Mit diesem Schritt handhabt EXIT die Frage der Entschädigung wie andere vergleichbare Organisationen auch.

Den NZZ-Artikel vom 7. Mai 2019 unter dem Titel «Exit hat ein Millionenvermögen angehäuft» erachten die Verantwortlichen von EXIT als unverständlich. Denn Tatsache ist: EXIT zählt inzwischen zu den grösseren Vereinen der Schweiz. Bei dem starken Mitgliederzuwachs und über 120'000 Mitgliedern wachsen Aktiven und Passiven automatisch. Von „Anhäufung“ von Geldern kann also mitnichten gesprochen werden. Vielmehr erfreut sich die grösste Selbstbestimmungsorganisation der Schweiz grundsolider Finanzen. Für einen Verein in dieser Grösse ist es  wichtig, über Reserven im Hinblick auch auf schlechtere Zeiten zu verfügen. Zudem werden Finanzthemen im Rahmen der anstehenden Statutenrevision diskutiert.

Für den Vorstand und die Mitarbeitenden ist ein umsichtiger Umgang mit den anvertrauten Geldern zentral. Es bestehen eine Geschäftsprüfungskommission und eine externe Revisionsstelle. Oberstes Organ ist die Generalversammlung der Mitglieder.