Grosses Verständnis der Ärzte für Sterbehilfe

Drei Viertel der Schweizer Ärzteschaft halten das selbstbestimmte Sterben von Patienten mit einem ärztlich verschriebenen Medikament für vertretbar. Zwei Drittel auch bei Patienten, die nicht am Lebensende stehen. Das zeigt eine Studie der SAMW.

Das Resultat bestätigt, was EXIT seit 10 Jahren feststellt: Unter den Medizinern ist das Verständnis für die Patientenselbstbestimmung gewachsen (und heute so gross wie in der Gesamtbevölkerung) und zudem die Erkenntnis gereift, dass die Zusammenarbeit mit Patientenselbstbestimmungsorganisationen wie EXIT den Ärzten auch Erleichterungen bringt.

Die Resultate der Ärztebefragung zeigen, dass die SAMW (Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften) richtig liegt, indem sie sich seit 10 Jahren der Realität der Sterbehilfe nicht mehr verschliesst. Die Zulassung der ärztlichen Suizidhilfe in den SAMW-Richtlinien wird von der Ärzteschaft offenbar grossmehrheitlich befürwortet. Die ärztliche Haltung deckt sich erfreulicherweise mit der ihrer Patientinnen und Patienten: Auch die Schweizer Bevölkerung steht gemäss Umfragen mit über drei Vierteln hinter der Möglichkeit der Sterbehilfe und über zwei Drittel wollen diese nicht aufs Lebensende begrenzt sehen.

Eine deutliche Mehrheit der befragten Ärztinnen und Ärzte ist bereit, Patienten zu beraten und die Voraussetzungen für Suizidhilfe abzuklären. Fast 50 Prozent können sich zudem vorstellen, auch einmal ein Rezept für das Sterbemedikament auszustellen. Je weiter ein Patient jedoch vom natürlichen Lebensende entfernt ist, desto weniger gross ist diese Bereitschaft. Aber auch bei chronisch-fortschreitenden Erkrankungen liegt die Zustimmung immer noch bei 59 Prozent, bei Hochbetagten mit multiplen Beschwerden bei 48 Prozent. Und generell halten zwei Drittel der Ärzte Suizidhilfe auch dann für vertretbar, wenn das Lebensende nicht unmittelbar bevorsteht.

Ärztliche Sterbehilfe ist stets eine Gewissensfrage. In der Schweiz funktioniert die Suizidhilfe seit über 30 Jahren, auch wenn keine Mehrheit der Ärzte diese in sämtlichen Krankheitsfällen und persönlich leisten möchte. Im Gegensatz zu den Fachleuten bei EXIT haben die meisten Ärzte keine Ausbildung in Sterbebegleitung, den meisten fehlt auch die Zeit, Sterbewillige umfassend zu betreuen oder danach noch für die Angehörigen dazusein. Es ist deshalb verständlich, dass die Mediziner die Suizidhilfe nicht selber durchführen möchten, auch wenn sie sie mehrheitlich befürworten. Hier bietet EXIT Betreuung und Begleitung der Patientinnen und Patienten.

EXIT nimmt die Haltung der Schweizer Mediziner positiv zur Kenntnis und begrüsst, dass die SAMW ihre Richtlinien weiter anpassen möchte – hoffentlich unter Berücksichtigung des grossen Verständnisses der Ärzteschaft für das selbstbestimmte Sterben mit Arztrezept. EXIT warnt jedoch, sich dabei (wie es die SAMW angekündigt hat) auf die kommenden Resultate des Nationalen Forschungsprogramms 67 abzustützen, das die Schweizer Selbstbestimmungsorganisationen für voreingenommen halten gegenüber der Patientenselbstbestimmung.