Was denkt Rolf Lyssy über das Lebensende?

EXIT kann sich auf ein namhaftes Patronatskomitee mit bekannten Persönlichkeiten stützen, die öffentlich für das Selbstbestimmungsrecht der Menschen einstehen. Wir stellen in loser Folge die Sicht von Komitee-Mitgliedern zu wichtigen Fragen rund um das Lebensende vor.

Rolf Lyssy, was wird für Sie beim Älterwerden wichtiger, was weniger wichtig?
In meinem (hohen) Alter setze ich andere Prioritäten als noch vor zehn, zwanzig Jahren. Das heisst, mir ist sehr bewusst, dass meine Lebenszeit sich dem unweigerlichen, unverrückbaren, aber auch unerbittlichen Ende nähert. Und diese Zeit will ich so gut als möglich nutzen. An meinem Achtzigsten hatte ich beschlossen, mich fortan nicht mehr zu stressen, egal ob in privaten oder beruflichen Situationen. Und das ist mir bis heute gelungen. Es geht mir – touch wood – sehr gut und ich schaue mit Neugier in die Zukunft.

Wann und wie sind Sie zum ersten Mal mit Sterben und Tod konfrontiert worden?
Als mein Vater im Alter von knapp 84 Jahren starb, wurde ich von seiner langjährigen Lebenspartnerin, im Juni 1990, an einem Samstagnachmittag, unerwartet angerufen. Sie war völlig schockiert und sagte bitterlich weinend: «Rolf, komm schnell, Papa ist gestorben». Er hatte sie beim Nachmittagskaffee gefragt, was am Abend im Fernsehen läuft. Er sass im Lehnstuhl, seine Freundin, die auf dem Sofa das TV-Programmheft konsultierte, wollte ihm antworten und als sie sich zu ihm drehte, war er tot. Ich muss gestehen, einen schöneren Tod kann ich mir nicht vorstellen. Ich setzte mich umgehend ins Auto und fuhr nach Feldmeilen, wo sie lebten. Ein Nachbar vom oberen Stock hatte meinen Vater in der Zwischenzeit ins Schlafzimmer getragen und aufs Bett gelegt. Dort konnte ich von ihm Abschied nehmen.

Wie hat sich Ihre Einstellung zu Sterben und Tod im Laufe Ihres Lebens verändert?
Meine Einstellung zum Tode hat sich auch im Alter nicht geändert. Ich bin nicht religiös und weiss, dass nach dem Tod nichts mehr kommt, kein Paradies, keine Jungfrauen, kein Wiedersehen mit irgendjemandem. Aber ich weiss auch, dass die Menschen, die mich in meinem Leben begleitet haben, mich nicht vergessen werden. So wie ich noch heute, immer wieder mal an meine Eltern und zu früh verstorbene Freundinnen und Freunde denke.

Was heisst für Sie Sterben in Würde?
Sterben in Würde bedeutet für mich, ohne Schmerzen, innerlich mit sich im Reinen, friedlich und bereit sich von dieser nicht immer schönen Welt für immer zu verabschieden. Man weiss ja zum Glück nicht, wann und wie man sterben wird. Sollte es mal so sein, dass ich keine Kraft und Energie mehr in mir verspüre, um weiterleben zu wollen oder zu können, dann bin ich froh, wenn mir dabei geholfen wird. Das ist glücklicherweise bei uns in der Schweiz mit EXIT möglich. Das lässt mich entspannt und ohne Stress das Leben geniessen.

Rolf Lyssy (Jg. 1936)
Filmregisseur und Drehbuchautor
Werdegang: Gelernter Fotograf, Kamera- und Schnittassistent

Spielfilme u.a. Drehbuch/Regie:
1974 Konfrontation – Das Attentat von Davos
1978 Die Schweizermacher
1981 Kassettenliebe
1983 Teddy Bär
1989 Leo Sonnyboy
2016 Die letzte Pointe
2020 Eden für Jeden

Machen Sie mit!

EXIT schützt Sie und Ihre Angehörigen im Spital.